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Aus dem Vorwort

Das Vorwort zum ersten Sudelbuch-Sammelband schrieb Fritz R. Glunk, der Herausgeber des politischen Kulturmagazins Gazette (www.gazette.de)

Warnung: Dieses Buch ist gefährlich. Denn da, wo seine Kapitel hinzeigen, scharf und genau, liegt immer ein Problem versteckt. Darüber sollte auch der scheinbar zurückhaltende Titel nicht hinwegtäuschen. Schon dessen Erfinder, der große Georg Christian Lichtenberg, hatte eine heilige Scheu davor, mit einem aufgeblasenen Wort erwischt zu werden. Also schrieb er seine griffigsten Texte am liebsten als "Notizen", "Beobachtungen" oder, wenn schon als Buch, dann eben höchstens als "Sudelbuch". Auch Jan Ulrich Hasecke hütet sich, in der hohlen Imponier-Pose seiner Ziel-Personen aufzutreten. Daher auch die listige, in Wahrheit offensive Bescheidenheit der hier versammelten zweihundertvierzig Kurztexte.

Ihre Anlässe sind ihnen auf die Stirn geschrieben. Es sind die immer wiederkehrenden Torheiten und Zumutungen oder schlimmer noch: jene absichtlichen Verdummungen, denen wir in einer wildgewordenen Welt so unaufhörlich ausgesetzt sind, dass wir sie fast nicht mehr bemerken. Aber dieser Autor hat sich seine intellektuellen Sinne nicht verkleistern lassen.  Er kommt über einem Sonnenfinsternisbrillen-Angebot ebenso ins fruchtbare Nachdenken wie bei einer Fußballweltmeisterschaft, einem Popstar wie Michael Jackson oder einer politischen Falschaussage.  Monatlich gut ein dutzendmal hat er sich hingesetzt, an- und aufgeregt durch eine Nachricht, eine Meldung, ein Ereignis, und hat seine unvorgreiflichen Gedanken dazu niedergeschrieben ("Keineswegs", wie Lichtenberg gesagt hätte, "um sie einmal anzubringen, sondern bloß in der Absicht, ihren Zusammenhang zuprobieren.").

Und zwar in einem beispielhaft durchsichtigen Deutsch. Haseckes Sprache ist an keiner Stelle platt, eitel, abgegriffen oder aufgeblasen.  Vielmehr frisch und lesbar, knapp und präzise, mutig und unverblendet.  Zudem verfügt sie über beeindruckend vielfältige Stilmittel: von der wütenden Drastik über den scheinresignierten Sarkasmus und die alltägliche Komik bis hin zu den Feinheiten der Ironie.

Und doch müssen wir uns den Autor als einen ernsthaften Menschen vorstellen. Indem seine Texte allem Anschein nach gar keine Empfehlung geben, bringen Sie genau das hervor: Anregung, Denkanstoß, geistige Beweglichkeit, frischen Wind.  Sie sagen uns: Es ist eine Lust, sich seines eigenen Verstandes zu bedienen. In diesem Sinne ist Hasecke durchaus ein Moralist der Moderne.

Mit seinen scharfen Beobachtungen steht er damit auch in der Tradition der französischen Aphoristen, ja der europäischen Aufklärung. Seine besten Texte lesen sich so zupackend, als kämen sie geradewegs aus der Encyclopédie von Diderot und d'Alambert. Auch dieses angebliche Wörterbuch richtete sich ja schon gegen die grassierendeGehirn-Sklerose seiner Zeit.

juh's Sudelbuch 98/99/00
374 Seiten, EUR 25,00
ISBN 3-8311-2297-0

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