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Alice trifft den Rattenfänger

Es war einmal ein kleines, blondes Mädchen mit Namen Alice. Das war 11 Jahre alt. An einem warmen, sonnigen Nachmittag saß Alice allein an einem Bachufer in der Nähe eines Waldes und spielte gedankenverloren mit bunten Kieselsteinen. Sie trug ein weißes Spitzenkleidchen, eine rotumsäumte Schürze, blaue Sandalen. Ihr Haar war zu einem Pferdeschwanz gebunden.


Leise summte sie ihre Lieblingsmelodie vor sich hin und warf ab und zu einen Kiesel ins Wasser. Doch nach kurzer Zeit wurde ihr das zu langweilig. Sie stand auf und pflückte sich einen Strauß Wiesenblumen. Da aber niemand da war, dem sie den Strauß hätte schenken können, warf sie ihn schließlich traurig in den Bach. Langsam wurde er fortgetrieben, bis Alice ihn nicht mehr sehen konnte.

Da hörte sie plötzlich im Wald leises Flötenspiel. Neugierig drehte sie sich um und ging auf den Waldrand zu. Doch nichts war zu sehen. Darum ging sie tiefer in den Wald hinein. Bald wurde die Musik lauter. Alice blickte sich vergeblich nach dem Flötenspieler um. Sie suchte hinter allen Bäumen und Büschen, bis sie auf einmal direkt hinter sich einen lauten Triller hörte. Sie drehte sich um, und hinter einer alten, knorrigen Eiche tauchte eine seltsame Gestalt auf: Ein großer Mann mit schwarzen Haaren und buschigem Bart stand vor ihr und sah sie mit funkelnden Augen an. Sein Mantel war braun und schäbig. Seine Füße steckten in hohen, dunklen Stulpenstiefeln. Er schwang seine silberne Flöte ein paarmal über dem Kopf und setzte sein Flötenspiel fort.

Alice überlegte, ob der Fremde wohl ein Pied Piper, ein Rattenfänger sei. Doch bevor sie sich darüber große Gedanken machen konnte, kam er auf sie zu und tanzte lustig spielend um sie herum. Der Klang seiner Flöte war so bezaubernd, dass Alice all ihr Misstrauen vergaß. Während er immer schneller um sie herumwirbelte, folgte Alice voll kindlicher Koketterie seinen tiefschwarzen Augen und drehte sich mit ihm im Kreis. Schließlich hörte er auf zu tanzen und zu spielen und sah ihr in die Augen.


Pied Piper: Wie heißt Du denn, mein Kleines?

Alice: Ich heiße Alice.

Pied Piper: Alice! Ha,ha,ha ...


Und grinsend begann er zu singen:


Pied Piper (sings):

Love-lighted eyes, that will not start

 at frown of rage or malice!

 Uplifted brow, undaunted heart

 ready to dine on raspberry-tart -

 Here comes the fairy Alice!


In scenes as wonderful as if

 she'd flitted in a magic skiff

 across the sea to Calais.

 Be sure this night, in fancy's feast,

 even till morning gilds the east,

 this maid will dream - oh, Alice!


Perchance, as long years onward haste,

 this maid will weary of the taste

 of life's embittered chalice.

 May she, in such a woeful hour,

 endued with memory's mystic power

 recall her dreams - oh, Alice!


Mit einem geschmeichelten Gesichtsausdruck klatschte Alice begeistert Beifall. Der Pied Piper bedankte sich mit einem übertriebenen Kratzfuß. Dann setzte er die Flöte wieder an und entfernte sich spielend.


Alice: Warte! Warte! Wer bist Du denn?

Pied Piper: Ich bin der Pied Piper! Ha,ha,ha... Der Pied Piper! Ha,ha...

Alice: Wo willst Du hin? (Sie läuft ihm nach.) Warte!

Pied Piper: Komm, Alice, komm! Ich zeig Dir was. Komm mit, Alice!


Hüpfend und flötend lief er weiter in den Wald hinein. Ohne lange zu zögern, folgte ihm Alice wie verzaubert vom Klang seines Spiels. Schneller und schneller lief der Pied Piper, und Alice hatte Mühe, ihm zu folgen. Der Wald wurde immer dichter und dunkler, aber Alice achtete nicht darauf.

Plötzlich war er wie vom Erdboden verschluckt. Alice blickte hinter den Baum, wo sie ihn zuletzt gesehen hatte, und stand vor einer großen Höhle, aus der ein schwacer Lichtschimmer kam. Da hörte sie auch das Flötenspiel wieder. Es kam tief aus dem Inneren der Höhle. Rasch lief sie hinein.